Wie viele Sitzungen brauche ich? Die Rolfing®‑10er‑Serie verständlich erklärt

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Eine der häufigsten Fragen lautet:

„Wie viele Sitzungen brauche ich?“

Im Zusammenhang mit Rolfing® Strukturelle Integration hört man oft von der klassischen 10er‑Serie – einer strukturierten Abfolge von zehn Sitzungen, die den ganzen Körper einbezieht.

Aber was ist, wenn Sie sich bei zehn Sitzungen noch unsicher sind? Oder wenn Sie „nur“ Nackenschmerzen haben oder das Ganze erst einmal vorsichtig ausprobieren möchten?

Diese Übersicht erklärt:

  • Was die Rolfing®‑10er‑Serie ist (in einfachen Worten)

  • Wann eine kürzere Probephase oder ein kleiner Block an Sitzungen sinnvoll sein kann

  • Wie Sie über die Frage „Wie viele Sitzungen?“ so nachdenken können, dass es zu Ihnen passt


1. Was ist die Rolfing®‑10er‑Serie?

Die 10er‑Serie ist ein strukturierter Prozess, entwickelt von Dr. Ida Rolf – eher wie ein Rezept, das systematisch hilft, den Körper von Kopf bis Fuß neu zu organisieren.


Jede Sitzung hat ihr eigenes Thema oder konzentriert sich auf eine bestimmte Körperregion, und jede baut auf den Fortschritten der vorherigen Sitzung auf.

Vereinfacht:

  • Sitzungen 1–3:
    Arbeiten mit den „äußeren Schichten“ – Atem, Unterstützung durch die Füße, grundlegende Leichtigkeit beim Stehen und Gehen.
    Themen: Atmung, Füße, Beine, Länge und Raum im Körper.

  • Sitzungen 4–7:
    Gehen tiefer ins Zentrum – Becken, Wirbelsäule, Zwerchfell, Schultern, Nacken.
    Themen: Unterstützung aus der Mitte, Verbindung von oberem und unterem Körper, Organisation in der Schwerkraft.

  • Sitzungen 8–10:
    Fokussieren auf Integration – also darauf, dass Ihr Körper die neuen Möglichkeiten im Alltag nutzen kann.
    Themen: Ganzkörper-Koordination, Gehen, Stabilität und Leichtigkeit im täglichen Leben.

Man kann es sich so vorstellen:

Zuerst öffnen wir Fenster und Türen, dann ordnen wir die Möbel neu – und am Ende geht es darum, dass Sie sich in Ihrem „neuen Raum“ wirklich wohlfühlen und ihn mit Leben füllen.


2. Muss ich unbedingt alle zehn Sitzungen machen?

Nein – Sie unterschreiben keinen Vertrag mit Ihrem Körper.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Einzelsitzung
Ideal, um ein Gefühl für die Arbeit und für mich als Person zu bekommen.
Sinnvoll, wenn Sie neugierig, aber noch unsicher sind oder erst einmal testen möchten, wie Ihr Körper reagiert.

Kurze Probephase (z.B. 3 Sitzungen)
Oft genug, um in ein bis zwei Bereichen spürbare Veränderungen zu erleben (z.B. Atmung, Füße, Nacken/Schultern).
Gut geeignet, wenn Sie bei Zeit oder Budget vorsichtig sind oder noch nicht wissen, ob eine komplette Serie zu Ihnen passt.

Fokussierter Block (z.B. 5 Sitzungen)
Hilft, ein bestimmtes Thema gezielt zu bearbeiten (z.B. Büroverspannungen, Gehen/Laufen, Erholung nach einem bestimmten Ereignis).
Bleibt flexibler als eine vollständige 10er‑Serie.

Komplette 10er‑Serie
Besonders geeignet, wenn Sie Ihre gesamte Körperorganisation anschauen möchten – nicht nur ein einzelnes Symptom.
Hilfreich bei langjährigen Mustern (wie chronischen Schmerzen, Haltungsproblemen, wiederkehrenden Verletzungen) oder wenn Sie sich einen tieferen „Reset“ wünschen.

Eine gute Rolferin / ein guter Rolfer wird Sie niemals in zehn Sitzungen „hineindrängen“.
Sie können Schritt für Schritt entscheiden – je nachdem, …

  • wie Ihr Körper reagiert,

  • wie Ihr Alltag und Ihr Kalender aussehen,

  • was sich für Sie realistisch und hilfreich anfühlt.


3. Wie oft sollte ich kommen?

Es gibt keine feste Regel, aber bewährte Rhythmen sind zum Beispiel:

  • Alle 1–2 Wochen während einer Serie:
    So hat Ihr Körper genug Zeit, die Veränderungen zu integrieren, und der Prozess bleibt „am Stück“ erlebbar.

  • Manchmal alle 3–4 Wochen:
    Das kann sinnvoll sein, wenn Ihr Alltag oder Ihr Nervensystem mehr Abstand oder Erholung zwischen den Sitzungen braucht.

Zwischen den Sitzungen ist Ihr Körper weiterhin dabei,

  • neue Bewegungsmöglichkeiten zu testen,

  • Faszien- und Nervensystemmuster neu zu organisieren,

  • und die Veränderungen im Alltag „auszuprobieren“.

Sie müssen die 10er‑Serie nicht „im Eiltempo“ absolvieren. Viel wichtiger ist, dass das Tempo für Sie gut machbar und stimmig ist.


4. Was ist, wenn ich „nur“ ein Problemgebiet habe?

Viele Menschen kommen mit Sätzen wie:

  • „Es ist nur mein Nacken.“

  • „Eigentlich ist es nur der untere Rücken.“

  • „Es ist nur diese eine Hüfte.“

Aus Sicht von Rolfing® Strukturelle Integration sind das oft Stellen, an denen sich ein Ganzkörpermuster besonders deutlich zeigt.

Sie können auf jeden Fall:

  • mit einer Probe von 1–3 Sitzungen beginnen, die sich gezielt auf Ihr Hauptthema konzentrieren,

  • und dann gemeinsam entscheiden, ob es sinnvoll ist, den Blick zu weiten und globaler zu arbeiten.

Manchmal reichen ein paar Sitzungen rund um ein Gebiet fürs Erste völlig aus.
Manchmal zeigt Ihr Körper aber auch sehr klar, dass das „eine Problem“ Teil eines größeren Musters ist – dann kann ein systematischer Ansatz wie die 10er‑Serie hilfreich sein.

Sie dürfen jederzeit sagen:
„Ich möchte gerne mit einer Sitzung anfangen und mich dann entscheiden.“


5. Wann ist die 10er‑Serie besonders sinnvoll?

Die 10er‑Serie kann besonders hilfreich sein, wenn:

  • Sie seit langer Zeit chronische Schmerzen oder Spannungen haben – und das in mehreren Bereichen

  • Sie das Gefühl haben, dass Ihre gesamte Haltung und Bewegung betroffen sind (z.B. „Ich fühle mich schief“, „Ich sacke beim Stehen zusammen“)

  • alte Verletzungen oder Operationen andere Körperregionen beeinflussen

  • Sie sich in einer Lebensphase befinden, in der Sie sich einen tieferen Neustart wünschen – etwa nach Burnout, größeren Veränderungen oder einer langen Zeit, in der Ihr Körper „zu kurz gekommen“ ist

Sie passt auch gut, wenn Sie:

  • Ihren Körper eher als Langzeitprojekt sehen – nicht nur als kurzfristige „Baustelle“

  • bereit sind, zwischen den Sitzungen Veränderungen wahrzunehmen

  • offen sind, manuelle Arbeit mit kleinen Wahrnehmungs- oder Bewegungsübungen zu verbinden


6. Was passiert nach der 10er‑Serie?

Die 10er‑Serie ist kein Endpunkt – sie ist vielmehr ein neues „Grundniveau“, von dem aus Sie weiter leben, sich bewegen und trainieren können.

Nach einer Serie machen viele Menschen:

  • eine Pause, damit sich alles setzen kann,

  • kommen zu gelegentlichen Folgesitzungen (z.B. alle paar Monate),

  • nutzen kürzere Sitzungsblöcke, wenn sich im Leben etwas ändert (neuer Job, Schwangerschaft, Operation, mehr Trainingsumfang).

Manche bevorzugen auch sogenannte „Instandhaltungs‑Sitzungen“ – zum Beispiel 2–4 Mal pro Jahr, um alte Muster daran zu hindern, langsam zurückzukehren, und um den Körper durch Stress oder Alterungsprozesse zu begleiten.

Es gibt keinerlei Verpflichtung. Die Idee ist, Ihrem Körper Werkzeuge und Optionen an die Hand zu geben, die er weiter nutzen kann – ganz gleich, ob mit oder ohne regelmäßige Sitzungen.


7. Und wie viele Sitzungen brauchen Sie?

Es gibt keine feste Zahl, die für alle passt.

Sie können sich zum Beispiel fragen:

  • Wie lange begleitet mich mein aktuelles Thema schon?

  • Suche ich vor allem akute Entlastung – oder eher eine grundlegendere Veränderung?

  • Wie viel Zeit, Geld und Energie kann ich in den nächsten Monaten realistisch investieren?

  • Bin ich bereit, zwischen den Sitzungen ein wenig auf meinen Körper zu achten?

Ein unkomplizierter Einstieg kann sein:

  • 1–3 Sitzungen buchen, die sich gezielt auf Ihr Hauptthema konzentrieren.

  • Beobachten, was sich verändert – bei Schmerzen, Leichtigkeit, Haltung, Atmung, Stimmung.

  • Dann gemeinsam mit Ihrer Rolferin / Ihrem Rolfer besprechen:

    • Macht eine kurze Serie (z.B. 5 Sitzungen) Sinn?

    • Ist jetzt der Moment für die vollständige 10er‑Serie?

    • Oder reicht das, was bisher passiert ist, fürs Erste?

Sie müssen nicht alles am Anfang entscheiden. Lassen Sie sich ruhig von der Reaktion Ihres Körpers zum nächsten Schritt führen.


Zusammengefasst

Die Rolfing® Strukturelle Integration 10er‑Serie ist ein strukturierter Weg, den ganzen Körper zu bearbeiten – von den äußeren Schichten über das Zentrum bis hin zur Integration.

Sie müssen sich nicht von Anfang an auf alle zehn Sitzungen festlegen.

Kürzere Einstiege (z.B. 1–3 oder 5 Sitzungen) sind ein guter Weg – besonders, wenn Sie vorsichtig sind oder ein klar umrissenes Hauptthema haben.

Wie viele Sitzungen Sie „brauchen“, hängt von Ihrer Vorgeschichte, Ihren Zielen, Ihren Ressourcen – und von der Reaktion Ihres Körpers ab.

Wenn Sie unsicher sind, dürfen Sie klein anfangen, Fragen stellen und Schritt für Schritt entscheiden.
Ihr Körper ist kein Projekt, das in zehn Sitzungen „fertig“ sein muss – aber die 10er‑Serie kann ein kraftvoller Rahmen sein, wenn Sie bereit sind für eine umfassendere Neuordnung.


Weiterführende Literatur:

Wenn Sie sich näher dafür interessieren, wie Belastung, Haltung und Schmerz zusammenhängen, können diese Quellen ein Einstieg sein:

  • McGill SM (2015). Low Back Disorders: Evidence-Based Prevention and Rehabilitation. Human Kinetics.

  • Hübscher M (2018). Schmerzen verstehen – warum der Schmerz nicht im Gewebe sitzt. Springer.

Diese Literatur bietet allgemeine Hintergrundinformationen und ersetzt keine individuelle medizinische Diagnostik oder Behandlung.`


Fachliche Qualifikationen

• Rolfing® ist eine eingetragene Dienstleistungsmarke des Dr Ida Rolf Institute of Structural Integration

• Sharon Wheeler's ScarWork™ bezieht sich auf die spezifische, von Sharon Wheeler entwickelte Methodik

• Alle erwähnten Markenzeichen verbleiben im Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber

Fachliche Standards Alle medizinischen und wissenschaftlichen Aussagen basieren auf aktueller Forschung und professioneller Erfahrung. Als Heilpraktiker in Ausbildung arbeite ich nach den strengen Richtlinien des deutschen Heilpraktikergesetzes.


Über den Autor:

Tobias Elliott-Walter ist zertifizierter Rolfer® für Strukturelle Integration, ScarWork™-Spezialist, Sivananda-Yogalehrer und internationaler Mentor mit Sitz in Saarbrücken. Mit über zwei Jahrzehnten Führungserfahrung in Europa, Asien, dem Nahen Osten und Nordamerika bringt Tobias eine einzigartige, kultursensible Perspektive in die Körperarbeit und ganzheitliche Gesundheit ein.

Seine Praxis vereint strukturelle Körperarbeit, Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Achtsamkeit, um Menschen dabei zu unterstützen, sich besser zu bewegen, zu fühlen und zu leben. Tobias setzt sich leidenschaftlich dafür ein, insbesondere Expats, Berufstätige im Wandel und Menschen in Veränderungsphasen zu stärken und ihnen Wege zu nachhaltigem Wohlbefinden und persönlichem Wachstum aufzuzeigen. Sitzungen sind auf Deutsch und Englisch, vor Ort oder online, sowie flexibel für internationale Klient:innen möglich.

Qualifikationen:

  • Zertifizierter Rolfer® (European Rolfing® Association, München)

  • ScarWork™-Praktiker für integrative Narbentherapie

  • Zertifizierter Sivananda-Yogalehrer (Bahamas Ashram, 2018)

  • Heilpraktiker in Ausbildun

Tobias’ Arbeit basiert auf wissenschaftlich fundierten Strategien, internationaler Mentoring-Erfahrung und einer ganzheitlichen Perspektive, die Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und lebenslanges Lernen in den Mittelpunkt stellt. Sein Ziel ist es, jede:n Klient:in individuell auf dem Weg zu nachhaltiger Gesundheit zu begleiten – unabhängig vom Wohnort oder den aktuellen Herausforderungen.

Mehr erfahren oder Kontakt aufnehmen.


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Die hier geteilten Informationen basieren auf aktueller wissenschaftlicher Forschung und praktischer Erfahrung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Therapeuten.

© 2025 Tobias Elliott-Walter. Alle Rechte vorbehalten.

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